Bildung, Familie, Kinder und Jugend

Hof- und Gartenerneuerung der Kitas in der Kinzig- und Gryphiusstraße

Für die kindliche Entwicklung stellt die Bewegung in der Natur einen entscheidenden Faktor dar. Der Außenraum der Kita soll deshalb eine naturnahe und ökologische Gestaltung erhalten. Die drei wichtigen Kriterien bei der Wahrnehmung von Kindern ihrer Umwelt sind die Oberflächenwahrnehmung, Tiefenwahrnehmung und Gleichgewichtswahrnehmung. Danach richtete sich die Neugestaltung der Gartenanlage aus.




Spielspaß in den Kitas Kinzig- und Gryphiusstraße

Um verschiedene Oberflächenformen für die Hände und Füße der Kleinen erlebbar zu machen, wurden für die Spielgeräte anstatt monotoner, glatter Stahlstäbe ungeschältes Robinienholz genutzt. Die Hand des Kindes kann die lebendige Oberfläche des Holzes nachempfinden, kann die feinen Rissbildungen und eine langsam sich verändernde Oberflächenstruktur des Holzes entdecken. Um den Füßen der Kinder vielseitige Erfahrungen zu ermöglichen, wurden viele verschiedene Bodenbeläge in die Landschaft des Gartens integriert. Waldbodenartige Flächen mit Holzhäcksel oder Rindenmulch wechseln sich ab mit Sandflächen zum Buddeln. Eine Wassermatschecke an einer sonnigen Stelle ist ein ebenso großer Anziehungspunkt zum Spielen wie die einfache Wiese im Zentrum. Außerdem wurde das Gelände vielseitig und abwechslungsreich bepflanzt, wie zum Beispiel Wildnisse aus Kriechweide, durch die die Kinder pirschen können. Die neu angepflanzte Vegetation ist robust und wenig pflegeaufwendig. Außerdem wurden stachelige und dornige Gewächse angepflanzt, damit die Kinder auch die Erfahrung machen können, dass „Rosen pieken“. Die vielen unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten – weich, glatt, rissig, spitz, rubbelig, kantig, kratzig und rutschig – dienen der Entwicklung der motorischen und haptischen Fähigkeiten der Kinder.
Die zweite Säule ist die Tiefenwahrnehmung. Sie wird bei Kindern immer dann aktiviert, wenn Körpereinsatz gefragt ist. Es geht darum, Kindern unterschiedliche einfachste Materialien, wie Baubretter, Bauklötze oder Pappkartons zur Verfügung zu stellen, damit sie mit ihrer Kreativität den Dingen einen Sinn geben und durch die Bewegung und Neuanordnung diese umdefinieren. Mithilfe der beweglichen Gegenstände können Spiele neu erfunden werden. Hierfür wurde der Wassermatschplatz angelegt. Das Wasserpumpen ist Schwerarbeit und kann nur mithilfe anderer bewältigt werden. Dies fördert die soziale Kompetenz der Kinder. An dieser Wassermatschstelle lassen sich durch den lehmigen Boden unterschiedliche Fantasiebauten erfinden. Sie gilt als „Dauerbaustelle“ des Kindergartens.



Entwurf für die Hofgestaltung der Kita Gryphiusstraße

Die dritte und letzte Säule bildet die Gleichgewichtswahrnehmung. Bei der Neugestaltung der Anlage war das Ziel die Gestaltung einer abwechslungsreichen hügeligen Landschaft. Diese ersetzt die ehemaligen Sandspielflächen und soll zum Rollern und Toben im Sommer und zum Rutschen im Winter einladen. An heißen Tagen lassen sich ganz leicht Wasserrutschbahnen bauen. Für das Fahren mit dem Roller oder dem Dreirad wurde ein Parcours angelegt, der eine wechselnde Oberflächenstruktur – von rubbelig bis glatt – hat. Er schlängelt sich durch das gesamte Gelände und erfordert aufgrund seiner vielen Kurven und leichten Absenkungen besonders viel Fahraufmerksamkeit. Ebenfalls für die Gleichgewichtsentwicklung wurde eine Wackelbrücke gebaut. Die interessante Gestaltung der stufenförmigen Struktur des Geländes kommt dem Anspruch der Kleinen, die immer in Bewegung und auf Entdeckungsjagd sind, entgegen. Denn, wer früh übt, kann sich später meisterhaft bewegen.
Während des Prozesses der Umgestaltung nahmen die ErzieherInnen an einer Fortbildung teil. Gemeinsam besuchten Sie ökologisch gestaltete Kitas.
Um die Kosten für die Umgestaltung so gering wie möglich zu halten, wurde besonders darauf geachtet, bereits vorhandene Materialien und Spielgeräte zu integrieren und wieder zu verwenden.

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