Bildung, Familie, Kinder und Jugend
Kinder werden WortStark
Das Projekt wurde 2002 entwickelt, weil immer mehr Defizite bei der Sprachkompetenz von Kindern festgestellt wurden. Auch die unbefriedigenden Ergebnisse der PISA-Studie wurden im Boxhagener Kiez sichtbar. Viele Kinder im Bezirk mit Migrationshintergrund wachsen zweisprachig auf, können jedoch oftmals beide Sprachen nicht richtig.
Das Projekt begann bereits bei den ganz Kleinen mit der Sprachförderung. Zudem sollte darauf aufbauend die Lesefähigkeit unterstützt werden.
Das passierte durch drei verschiedene Module mit Namen „WortStark“, „BilderBuchZeit“ und „Lesezeit“, die für die unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen der Kinder konzipiert wurden.
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Großer Andrang bei dem Projekt „Kinder werden WortStark“ in der Bezirkszentralbibliothek Grünberger Straße |
WortStark und BilderBuchZeit richteten sich an Vorschulkinder. Bei WortStark wurden regelmäßig Kitagruppen in die Bibliothek eingeladen. Die Kinder ab 2 Jahren besuchten alle vier bis sechs Wochen „ihre Bücherei“, um angeleitet von speziell ausgebildeten ErzieherInnen und BibliothekarInnen malend, spielend und bastelnd die Welt der Buchstaben, Zahlen und Bücher kennen zu lernen. Bücher wurden vorgelesen oder als Bilderbuchkino gezeigt. Eine weitere Aufgabe sahen die BetreuerInnen im Sensibilisieren und Ausbauen der Sinneswahrnehmungen, die bei manchen Kindern noch nicht sehr stark entwickelt sind. Die Gruppen bestanden aus maximal 10 Kindern und wurden über ein halbes Jahr betreut. Ein wichtiger Bestandteil dieses Moduls war die Einbeziehung der Eltern im Rahmen von Veranstaltungen. In Elterntreffen wurde die Wichtigkeit der Sprachförderung thematisiert. Sie erhielten Tipps und Anregungen, wie sie ihre Kinder an Literatur heranführen können.
Darauf aufbauend wurde die BilderBuchZeit entwickelt. Hier besuchten Vorschulgruppen alle vier Wochen die Bibliothek und konnten nach der Veranstaltung Bücher ausleihen. Diese Gruppen waren größer und kamen über ein Jahr lang bis zum Schulbeginn. Das passierte in einem festen Rahmen, etwa bei verschiedenen Sing- und Spielaktionen, so dass die Kleinen schon sehr früh mit den Angeboten der Bibliothek vertraut gemacht wurden. Über die Veranstaltung in der Bibliothek hinaus wurde in den Kindertagesstätten weiter über die Bücher gesprochen. Besonders freuten sich die Kleinen, wenn die BibliothekarInnen zu einem Besuch in die Kita kamen.
Auch in der Schule (1. und 2. Klasse) wurden die Kinder weiterhin betreut. Basierend auf den Modulen BilderBuchZeit und WortStark folgte nun die Lesezeit. Auf die Sprachförderung wurde weiterhin großer Wert gelegt, Schwerpunkt war jedoch die tatsächliche Leseförderung. Die Schulklassen besuchten die Bibliothek über ein Jahr lang regelmäßig. Sie erhielten Tipps, in welchen Schmökern sie unbedingt einmal stöbern sollten. Nach dem Lesespaß sollten sie dann darüber berichten, wie ihnen das Buch gefallen hat.
Mithilfe der Fördermittel aus „Soziale Stadt“ konnte die Zentralbibliothek Bücher, Sitzkissen und Bastelmaterial kaufen. Durch das Projektgeld war die Bibliothek das erste Mal in der Lage, jedem einzelnen Kind ein Pixi-Buch als Abschlussgeschenk mit auf den Weg zu geben. Auch die Kitas und Schulklassen konnten dank eines Buchgeschenks ihre Gruppenbibliothek aufstocken. Dank der zusätzlichen Sitzkissen konnten nun Veranstaltungen parallel durchgeführt werden. Insgesamt fanden an vier Vormittagen pro Woche je zwei Veranstaltungen statt. Die bereits vorhandenen Medienkisten, die für die einzelnen Veranstaltungen benötigt wurden, konnten mit Büchern, Spielen und anderen Materialien ergänzt werden, die zur Ausleihe für die Gruppen bereit standen. Das hat das weitere Bearbeiten und Vertiefen der Themen vereinfacht. Dokumentiert wurde das Projekt mit Wandzeitungen, Fotos und Videoaufnahmen.
Wir führten ein kurzes Interview mit Gabriele Schneider – Wortstark-Verantwortliche in der Zentralbibliothek:
„Eine Veranstaltung läuft zum Beispiel so ab, dass die Kinder ihren eigenen Pass ausstellen. Sie sollen wissen: Wie groß bin ich? Wie viel wiege ich? Was gehört eigentlich alles in einen Pass? Sie können selber ein Passbild einkleben oder ein eigenes malen.
Es soll kein einseitiges Vorlesen von unserer Seite sein. Die Kinder werden ganz aktiv beteiligt. Es werden Fähigkeiten eingeübt, die die Kleinen bis zum Schuleintritt können sollten. Etwa mit einer Schere umgehen, einen Stift richtig anfassen, oder dass sie die Namen der Farben und die Tageszeiten kennen.
Zu den Veranstaltungen gibt es verschiedene Kisten – sogenannte Medienkisten. In so einer Kiste sind Bücher und unter Umständen auch Kassetten und ein Spiel, das sich mit einem bestimmten Thema beschäftigt. Da kann es um Tiere oder Pflanzen gehen oder um verschiedene Kleidungsstücke. Außerdem finden die Kinder darin Materialien, die für sie erfahrbar sind. Die Veranstaltung hat immer dasselbe Ritual. Die Kinder finden zu dem Thema Gegenstände vor, die sie ausprobieren können und so kennen lernen. Dazu gehört das Basteln, selbst Buchstaben ausschneiden und aufkleben oder beispielsweise Tiere bestimmten Buchstaben zuzuordnen. Die Medienkisten können von Kitas oder Schulklassen auch ausgeliehen werden.
In diesem Jahr können wir erstmalig nach Abschluss des Projekts einer Kita ein Buch schenken. Das soll in der Gruppenbibliothek Platz finden. Auch das hätten wir ohne die Mittel aus Soziale Stadt nicht leisten können.“
